
Operative Therapie
Schlüssellochchirugie oder (videoassistierte) Thorakoskopie VATs
Die Thorakoskopie ist eine endoskopische Untersuchung des Brutskorbs und der Pleurahöhle. Die Pleurahöhle ist der Raum zwischen dem Lungenfell, das die Lunge umgibt, dem Rippenfell, bei dem es sich um die innere Auskleidung der Rippen handelt, und dem Zwerchfell, das als dünne Muskelschicht den Bauchraum vom Brustraum trennt.
Mit einem spezielles Endoskop, dem Thorakoskop wird nach einem kleinen Hautschnitt in Narkose die Untersuchung durchgeführt. Soll gleichzeitig ein Eingriff durchgeführt werden, werden Instrumente über mehrere kleine Zugänge eingebracht.
Bei dem Thorakoskop handelt es sich um ein starres, optisches Instrument. Es besteht aus Objektiv, Okular und einer Beleuchtungseinrichtung. Zudem verfügt es über eine Spül- und Absaugvorrichtung sowie mindestens einen Arbeitskanal, durch den Instrumente zur Entnahme von Gewebeproben oder für operative Eingriffe eingeführt werden können. Die Optik des Thorakoskops ist oft zur Arbeitserleichterung über eine Kamera mit einem Monitor verbunden. Dies ermöglicht die Teamarbeit über mehrere Arbeitskanäle, da das gesamte Team aus Chirurgen und Narkosärzten den Eingriff verfolgen kann.
So können ohne größere Belastung kleinere Operationen an den Organen des Brustkorbs oder auch der Lunge durchgeführt werden.

Offene Operationen am Brustkorb
Für das offene operative Vorgehen (Thorakotomie) gibt es mehrere Möglichkeiten.
Soll im Mittelfell (Mediastinum) operiert werden ist je nach Operationsvorgehen ein Längsschnitt über dem Brustbein und dessen Spaltung oder beispielsweise bei sehr großen Tumoren ein Querschnitt unterhalb der gesamten Brust notwendig.
Für Operationen an den Lungenflügeln wird meist auf der betroffenen Seite ein Schnitt im Verlauf der Rippen ausgehend vom Schulterblatt gewählt, hier wird dann der Brustkorb zwischen den Rippen hindurch erreicht.
Operationen bei Lungenkrebs
Die operative, radikale Entfernung des Tumors bietet die besten Chancen auf eine Heilung. Ziel der Operation ist es, den Tumor mit einem Sicherheitsabstand gesunden Gewebes zu entfernen. Zusätzlich werden die örtlichen Lymphknoten der Lunge entfernt. In der Regel erfordert dies mindestens die Entfernung eines Lungenlappens. Gelegentlich muss aber auch ein kompletter Lungenflügel entfernt werden. Um in den Brustkorb zu gelangen, wird ein Schnitt seitlich unter dem Schulterblatt angelegt, der dem Verlauf der Rippen folgt. Üblicherweise wird die fünfte und sechste Rippe auseinandergespreizt und so der Zugang zur Brusthöhle geschaffen. Während der Operation wird durch den Narkosearzt nur die gesunde Lunge beatmet, so dass der Operateur ein übersichtliches Operationsfeld erhält. Die Lungengefäße und Bronchien zum tumortragenden Lungenteil werden dargestellt und durchtrennt. So kann der Lungenlappen oder auch der gesamte Lungenflügel entfernt werden.
Nach der Operation ist vor allem die intensive Atemtherapie wichtig, um Schleim abzuhusten und die Lungenfunktion wieder zu normalisieren. Von großer Bedeutung ist eine ausreichende Schmerztherapie.
Je nach Größe, Art und Ausdehnung des Tumors kann nach erfolgreicher Operation noch eine Bestrahlung notwendig sein. Bei speziellen Tumoren (kleinzelliges Karzinom) ist trotz radikaler Operation eine zusätzliche medikamentöse Therapie Chemotherapie) in Erwägung zu ziehen.
Operationen bei Lungenmetastasen
Die operative, komplette Entfernung der Metastasen bietet die besten Chancen, das Tumorleiden zurückzudrängen. Ziel der Operation ist es, die Metastasen mit einem Sicherheitsabstand gesunden Gewebes zu entfernen. Zusätzlich werden die regionalen Lymphknoten der Lunge entfernt. Die einzelnen Metastasenherde werden mit speziellen Klammernahtgeräten keilförmig aus dem Lungengewebe herausgeschnitten. Die Entfernung eines Lungenlappens kann bei sehr großen Metastasen erforderlich sein. Auch der Laser kann nützlich sein, wenn viele Metastasen vorhanden sind. In besonderen Fällen ist es auch möglich, die Entfernung einzelner Herde in Schlüssellochtechnik durchzuführen.
Nach der Operation ist vor allem die intensive Atemtherapie wichtig, um Schleim abzuhusten und die Lungenfunktion wieder zu normalisieren.

Nach der OP - Überblick über die Nachsorge
Die zur Operation notwendige Thorakotomie (Eröffnung der Brustkorbhöhle) als solche verursacht die meisten postoperativen Beschwerden. Verwachsungen zwischen Lunge und umliegenden anatomischen Strukturen (Brustwand, Zwerchfell und Mediastinum) führen bei Steigerung der körperlichen Aktivität gelegentlich zu stechenden Brustwandschmerzen, die manchmal diagnostisch schwer zu deuten sind.
Durch intraoperative Quetschungen oder Durchtrennung von intercostalen („zwischen den Rippen“) Nerven kommt es zur Herabsetzung der Hautsensibilität entsprechend der segmentalen Versorgung. Auch können mehr oder weniger ausgeprägte Intercostalneuralgien (Störungen der Zwischenrippennerven-Funktion) auftreten. Diese Schmerzen können mit gezielten Intercostalnervenblockaden diagnostiziert und behandelt werden. In hartnäckigen Fällen muß eine Intercostalnervendurchtrennung in Erwägung gezogen werden.
Nach einer Thorakotomie (Ausnahme: inoperable Tumore) ist normalerweise eine leichte körperliche Arbeit ab der 4.-6. und eine schwere körperliche Arbeit ab der 12. postoperativen Woche vertretbar.
Eine Keilresektion, Segmentresektion oder Lobektomie (Lappenresektion) führt bei präoperativ normaler Lungenfunktion kaum zu einer merkbaren Beeinträchtigung der Atmung. Die Patienten können meistens wieder ihre berufliche Tätigkeit nach Abklingen der Thorakotomiebeschwerden ausüben.
Nach einer Pneumektomie (Entfernung eines Lungenflügels) oder bei einer ausgeprägten postoperativen Reduktion der Lungenfunktion muss im Einzelfall zur Arbeitsunfähigkeit Stellung genommen werden.
Die endgültige Konsolidierung (Ausheilung) der Pneumektomiehöhle mit kompensatorischer Vergrößerung des gegenseitigen Lungenflügels ist erst nach 12-18 Monaten vollzogen. In dieser Zeit geschieht auch die kreislaufmäßige Umstellung auf die neue kardiopulmonale (Herz-Kreislauf-) Situation. In den ersten 6 Monaten ist der Patient nur gering belastbar. Nach dieser Zeit kann körperlich wenig belastende Arbeit verrichtet werden. Eine körperlich schwere Arbeit ist nach der Pneumektomie meistens nicht mehr zumutbar.

Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner für Erkrankungen von Brustkorb und Lunge ist Herr Keller. Nehmen Sie Kontakt auf oder lassen Sie sich einen Termin in der Sprechstunde geben.

