
Operative Therapie
Übersicht über die Operationsformen an der Schilddrüse
Welche Operation wird wann durchgeführt?
Eine Schilddrüsenoperation erfolgt immer in Vollnarkose. Der Zugang zur Schilddrüse erfolgt durch einen 4 - 8cm großen, quer verlaufenden Hautschnitt, 2cm über den Schlüsselbeinen. An spezialisierten Zentren werden Schilddrüsenoperationen heute mit einer sehr niedrigen Komplikationsrate durchgeführt. An unserer Klinik erfolgt routinemäßig eine Darstellung der Stimmbandnerven und die intraoperative Kontrolle ihrer Funktion durch ein so genanntes Neuromonitoring um Schädigungen zu vermeiden.
Das Prinzip der Schilddrüsenoperation besteht in der Entfernung des krankhaften Schilddrüsengewebes und reicht von der Ausschälung einzelner Knoten über die teilweise oder komplette Entfernung einzelner Schilddrüsenlappen bis hin zur Entfernung der kompletten Schilddrüse. Die Operation wird immer nach den konkreten Befunden ausgerichtet.
Das Ausmaß der Schilddrüsenoperation hängt von der zu behandelnden Erkrankung ab. Bei einer beidseits vergrößerten, knotig veränderten Schilddrüse erfolgt in der Regel die vollständige Entfernung des stärker betroffenen Schilddrüsenlappens (Hemithyreoidektomie), der andere Schilddrüsenlappen wird auf einen 1 bis 2 cm3 Rest verkleinert (subtotale Resektion).
Bei sehr ausgedehnten Veränderungen der Schilddrüse oder bei Nachweis eines Schilddrüsencarcinoms wird die gesamte Schilddrüse entfernt. Bereits während der Operation erfolgt zum Ausschluss eines Schilddrüsencarcinoms eine Untersuchung des Gewebes durch einen Pathologen, der einen ersten Befund an den Chirurgen weiterleitet (Schnellschnittuntersuchung). Liegt ein Schilddrüsencarcinom vor, so erfolgt neben der Entfernung der Schilddrüse, eine Entfernung der die Schilddrüse umgebenden Lymphabflusswege und Lymphknoten. In diesem Fall muss dann auch der Hautschnitt vergrößert werden.
In unserer Klinik wird besonderen Wert auf das kosmetische Ergebnis nach der Operation gelegt. Daher werden spezielle Nahtmaterialien und Techniken verwendet, die eine optimale Wundheilung unterstützen. Der Faden muß hierbei nicht mehr entfernt werden sondern löst sich selbst auf, Drainagen werden nur in Ausnahmefällen verwendet.
Welche Risiken hat die Operation?
Neben allgemeinen Gefahren bei Operationen und Vollnarkosen bestehen spezielle Gefahren wie:
Die Verletzung des Stimmbandnerven (N. recurrens) mit Heiserkeit:
Eine einseitige Schädigung des Stimmbandnerven führt zum Auftreten einer Heiserkeit. Bei einer beidseitigen Schädigung der Stimmbandnerven resultiert eine tonlose Stimme verbunden mit einer Schluckstörung. Ursache für den Funktionsverlust des Stimmbandnerven ist selten praktisch nie eine Durchtrennung des Nerven, sondern meist eine Funktionsstörung durch Druck oder Zug. Eine Rückbildung der nach einer Schilddrüsenoperation bestehenden Heiserkeit findet in der Mehrzahl der Fälle nach einigen Wochen bis Monaten statt.
Die Verletzung/Entfernung von Nebenschilddrüsenkörperchen mit Kalziumstörungen (bemerkbar durch Zittern und Krämpfe):
Bei den Nebenschilddrüsen handelt es sich um vier, 2 bis 3 mm große Organe, die sich im Bereich der hinteren Schilddrüsenkapsel befinden und über eine Regulierung des Parathormons, den Calciumstoffwechsel steuern. In der Regel kommt es nur bei einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse in wenigen Fällen zu einer Schädigung der Nebenschilddrüsen. Kommt es nach der Operation zum Auftreten eines Calciummangels, der sich in Form von Muskelkrämpfen äußert, werden diese Symptome durch Gabe von Calciumtabletten ausgeglichen.
Die Nachblutung:
Die Schilddrüse ist, nach der Niere, das am besten durchblutete Organ des menschlichen Körpers. Bei Anwendung einer sehr sorgfältigen Operationstechnik mit Darstellung und Unterbindung auch kleinster Gefäße ist eine Nachblutung nach einer Schilddrüsenoperation heute ein zwar immer noch bedrohliches, aber sehr seltenes Ereignis geworden.

Wie sieht die Nachbehandlung aus?
Nach Schilddrüsenoperationen wegen Struma wird zumeist eine medikamentöse Vorbeugung einer erneuten Schilddrüsenvergrößerung durchgeführt. Dies erfolgt durch Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform. Die genaue Hormonmenge hängt von der Größe und Funktion des verbliebenen Schilddrüsenrestes ab und wird vom behandelnden Arzt anhand der Hormonwerte im Blut und ggf. einer Szintigrafie festgelegt. Diese Untersuchung erfolgt in der Regel 4 Wochen nach der OP. Bis dahin werden Sie je nach Operation eine Durchschnittsdosis an Hormonen zu sich nehmen, um keine Schildddrüsenunterfunktion zu erleiden - die Feineinstellung übernehmen Hausarzt und Nuklearmediziner.
Müssen auch die Nebenschilddrüsen entfernt werden, reguliert die Einnahme von Vitamin-D- und Kalzium-Tabletten den Kalziumspiegel des Blutes. Da der Mensch 4 Nebenschilddrüsen hat, erholen sich die Verbliebenen Drüsen meist rasch, so dass der Kalziumersatz meist nur vorübergehend notwendig ist.
Nach der Operation bösartiger Schilddrüsentumore ist eventuell eine Radiojodtherapie erforderlich, um mögliche Absiedlungen (Metastasen) der Tumoren zu behandeln.

Ansprechpartner
Dr. Meier ist Ihr Ansprechpartner für Schilddrüsenerkrankungen
Bei Fragen können Sie Kontakt aufnehmen oder einen Sprechstundentermin vereinbaren

