
Gutartige Erkrankungen
Übersicht über die gutartigen Erkrankungen der Schilddrüse und deren chirugische Therapie
Struma - Was versteht man unter einem Kropf?
Als Kropf oder auch Struma bezeichnet man die Vergrößerung der Schilddrüse. Diese kann entweder sichtbar sein oder durch eine Ultraschalluntersuchung festgestellt werden.
Die Vergrösserung führt zu einer von aussen sichtbaren Verdickung des Halses und kann in schweren Fällen zu Schluckstörungen, Druckgefühl und Atemnot führen. Häufigste Ursache für das Entstehen einer Struma ist Jodmangel. Und weil Deutschland ein Jodmangelgebiet ist, haben viele Kinder bereits einen Kropf. Ist in der Nahrung und somit auch im Blut zuwenig Jod enthalten, vergrössert sich die Schilddrüse und versucht so, dem Blut auch den letzten Rest an Jod noch zu entziehen. Je nachdem, wie gut es gelingt, durch diesen Kompensationsmechanismus die Hormonproduktion aufrechtzuerhalten, kann sowohl eine euthyreote, als auch eine hyperthyreote Struma vorliegen.
Bis zu einem gewissen Grad, bzw. Zeitpunkt kann es gelingen, den Prozess durch ausreichendes Jodangebot zu stoppen und teilweise wieder rückgängig zu machen. In den meisten Fällen muss jedoch eine Operation durchgeführt werden.
Die Schilddrüsenvergrößerung kann sowohl gleichmäßig das gesamte Gewebe betreffen oder punktuell von Knoten in der Schilddrüse ausgehen. Neben der reinen Größenzunahme oder knotigen Veränderung kommt es häufig auch zu begleitenden Funktionsstörungen.
Welche Formen der Struma gibt es?
Je nach Stoffwechsellage der Struma unterscheidet man eine normale Funktion (Euthyreose) von einer Überfunktion (Hyperthyreose) sowie einer Unterfunktion (Hypothyreose).
Als Zeichen der Schilddrüsenüberfunktion klagen die Patienten über Herzklopfen, Augenmuskellähmungen, Nervosität, Schlaflosigkeit, heiße und feuchte Hände, feine und brüchige Haare sowie Gewichtsabnahme oder Konzentrationsschwäche. Bei Schilddrüsenunterfunktion leiden die Patienten häufig unter extremer Müdigkeit, Kälteintoleranz, Gewichtszunahme und allgemeiner Schwäche.
Am häufigsten sind allerdings Schilddrüsenvergrößerungen mit normaler Stoffwechsellage. Die Ursachen von Schilddrüsenvergrößerungen sind vielfältig und reichen von einem Jodmangel in der Nahrung über hormonelle Störungen in der Schwangerschaft oder Pubertät bis zu Erkrankungen des Immunsystems. Allerdings können sich auch bösartige Tumore dahinter verbergen, so dass eine Schilddrüsenvergrößerung unbedingt untersucht werden sollte.
Etwas seltener sind Entzündungen der Schilddrüse. Meistens handelt es sich dabei um Autoimmunerkrankungen, bei denen der Organismus die Schilddrüse im Sinne einer Entzündung angreift. Dabei kann es auch zu einer Funktionsstörung der Schilddrüse kommen. Oft liegt zu Beginn eine hyperthyreote Stoffwechsellage (Überfunktion) vor. Später, wenn sich die Schilddrüsenzellen durch die dauerhafte Entzündung so verändert haben, dass sie keine Hormone mehr produzieren können, ensteht eine Hypothyreose (Unterfunktion).
Entzündliche Veränderungen der Schilddrüse können meistens konservativ, also ohne Operation, behandelt werden. Bei sehr ausgeprägten Erkrankungen, oder wenn eine medikamentöse Therapie keinen Erfolg hat, kann eine Operation notwendig werden.
Die häufigsten Formen der chronischen Schilddrüsenentzündungen sind die Hashimoto-Thyreoiditis und der Morbus Basedow, der mit einem charakteristischen Hervortreten der Augäpfel (Exophtalmus) einhergehen kann

Von Kalten und Heißen Knoten. Diagnostik und Ablauf
Die Fähigkeit der Schilddrüse, Jod aufzunehmen und zu Hormonen zu verarbeiten, kann in einzelnen Knoten der Schilddrüse unterschiedlich sein. Bei der Szintigrafie wird diese Fähigkeit durch Verabreichung schwach radio-aktiven Jods sichtbar gemacht.
Die meisten knotigen Veränderungen, bzw. Tumoren der Schilddrüse sind gutartig. Häufig können sich im Rahmen der oben beschriebenen Struma durch sogenannte regressive Veränderungen des Schilddrüsengewebes Knoten entwickeln. Meistens liegen sogenannte Adenome, also gutartige Tumoren vor. Diese können unkontrolliert Schilddrüsenhormon produzieren (autonomen Adenome), da sie nicht mehr den normalen Regulationsmechanismen des Organismus unterliegen. In der Schilddrüsenszintigrafie, einem bildgebenden, nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren, kann man diese Knoten wegen ihrer gesteigerten Stoffwechselaktivität als farbige, bzw. leuchtende Areale darstellen, weswegen man von ‚heissen' Knoten spricht. Wird zuviel Hormon an die Blutbahn abgegeben, liegt eine Hyperthyreose vor.
Andere Knoten stellen sich in der Szintigrafie als Areale mit weniger oder keiner Aktivität dar (‚kalte' Knoten). Auch in diesem Fall handelt es sich meist um gutartige Knoten, oder regressive Veränderungen. Da die Zellen in diesem Bereich aber nicht mehr die Funktion normaler Schilddrüsenzellen ausüben, muss ein solcher Befund immer als verdächtig für das Vorliegen einer bösartigen Geschwulst angesehen werden. Abhängig von Anzahl und Größe der ‚kalten' Knoten kann in gewissen Fällen abgewartet und eine engmaschige Kontrolle durchgeführt werden. Eine definitive Aussage über die Dignität (Artigkeit) dieser Knoten kann aber nur durch operative Entfernung und anschliessende mikroskopische Feingewebsuntersuchung getroffen werden. Der Vorteil der Operation liegt darin, dass nicht nur eine genaue Diagnose gestellt werden kann, sondern dass gleichzeitig auch der Befund entfernt und somit therapiert ist.

Welche Diagnostik ist bei Strumen vor einer Behandlung erforderlich?
Neben einer Erhebung der Symptome und Tastuntersuchung der Schilddrüse werden die Schilddrüsenhormone T3, T4 und TSH im Blut untersucht. Zusätzlich ist eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse sowie eine Schilddrüsenszintigrafie sinnvoll.
Anhand der Untersuchungsergebnisse kann der behandelnde Arzt entscheiden, ob noch weitere Untersuchungen (wie Punktion der Schilddrüse unter Ultraschallkontrolle, Röntgenuntersuchung der Luft- oder Speiseröhre u.a.m.) erforderlich sind und welche Art von Behandlung sinnvoll ist.
Diese Untersuchungen werden durch einen Nuklearmediziner durchgeführt, der eng mit dem Chirurgenteam zusammen arbeitet. So wird für jeden Patienten die individuelle Therapiestrategie entwickelt – ein gutes Beispiel hierfür ist die Operationsplanung anhand der vom Nuklearmediziner nach der Ultraschalluntersuchung angefertigten Zeichnung der individuellen Knotenverteilung des Patienten.
Wichtig ist auch die präoperative Funktion der Stimmbänder zu kennen. Hierzu muß ein HNO-Arzt einen genauen Befund durch Spiegelung erheben. Dies ist notwendig, weil die Stimmbandnerven entlang der Schilddrüse laufen und mit Knoten verklebt sein können.

Informationen zu bösartigen Schilddrüsenerkrankungen
Alle notwendigen Informationen zu bösartigen Schilddrüsenerkrankungen - also Schilddrüsenkrebs finden Sie auf den folgenden Seiten

Informationen zur operativen Therapie
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