
Gutartige Erkrankungen
Gutartige Erkrankungen von Leber und Gallenwegen
Gallensteine (Cholecystolithiasis)
Die Ursachen für die Entstehung von Gallenblasensteinen sind vielgestaltig. Vereinfacht kann man sagen, dass einer der Hauptgründe für die Entstehung von Gallenblasensteinen in einer veränderten Zusammensetzung der von der Leber produzierten Galle besteht. Es kommt dabei aber dennoch zu einer Häufung in bestimmten Patientengruppen. Dies wird mit den fünf F (female, fat, forty, fair, fertile) bezeichnet. Das heißt, am häufigsten Betrifft das Gallensteinleiden fruchtbare Patientinnen in mittlerem Alter, die einen hellen Hauttyp haben und etwas übergewichtig sind.
Allerdings lässt sich mittlerweile auch analog zu den Veränderungen der Essgewohnheiten der Bevölkerung ein Anstieg im Auftreten von Gallensteinleiden beobachten.
Die in der Gallenblase auftretenden Steine können einen Durchmesser zwischen wenigen Millimetern und einigen Zentimetern haben. Manche Patienten haben nur einen einzigen Gallenblasenstein (= Solitärstein), bei anderen Patienten finden sich mehrere oder sogar sehr viele Steine in der Gallenblase.
Kleine Steine können auch in den Hauptgallengang wandern, der die Gallenblase mit dem Zwölffingerdarm verbindet, und dann den Gallenabfluss verhindern, so dass sich die Gallenflüssigkeit aufstaut und im ganzen Körper anreichert (Ikterus = Gelbsucht).
Typischerweise können Patienten mit Gallenblasensteinen bestimmte Speisen nicht mehr gut vertragen, vor allem fettreiche Nahrungsmittel.
Die klassischen Beschwerden sind starke, wellenförmig an- und abschwellende Schmerzen im rechten Oberbauch (Koliken), die bis in die rechte Schulter oder auch die rechte Rückenseite ausstrahlen können. Diese treten vorwiegend in Verbindung mit der Nahrungsaufnahme auf.
Wenn sich ein Stein in dem Ausführungsgang zwischen Gallenblase und Zwölffingerdarm einklemmt, tritt eine Gelbfärbung der Haut auf, der Stuhl entfärbt sich und der Urin wird braun. Auch hierbei bestehen Schmerzen im rechten Oberbauch.
Die Ultraschalluntersuchung kann die Gallensteine gut darstellen, auch die Gallenblasenwand kann hier gut beurteilt werden. Wiederholte Gallenkoliken können zu einer Entzündung der gesamten Gallenblase mit einer Verdickung der Wand führen.
Um Erkrankungen am Magen und Zwölffingerdarm auszuschließen, die ähnliche Beschwerden wie Gallenblasensteine verursachen können, sollte vor einer Operation auch eine Magenspiegelung durchgeführt werden.
Werden Gallenblasensteine zufällig entdeckt, ohne dass sie bisher Beschwerden verursacht haben, muss die Gallenblase nicht zwingend entfernt werden. Allerdings können sich kleine Steine jederzeit im Ausführungsgang einklemmen, was dann eine Notfallbehandlung nach sich zieht.
Kommt es wiederholt zu Beschwerden und Koliken, die auf eine Gallenblasenentzündung oder Gallenblasensteine zurückzuführen sind, sollte die Gallenblase entfernt werden.
Wenn sich ein Stein im Ausführungsgang eingeklemmt hat, muss der Ausführungsgang so schnell wie möglich vom Stein befreit werden. Dies geschieht heute meist in einem so genannten Rendevousz-Verfahren.
Dabei wird die Operation in Schlüssellochtechnik durchgeführt, anschließend wird der Gallengang über ein durch den Magen in den Zwölffingerdarm vorgeschobenes Endoskop von Steinen befreit. Dieses Vorgehen hat die operative Ausräumung des Gallenganges, die eine konventionelle Operation über einen queren Oberbauchhautschnitt bedingt, weitestgehend verdrängt.
Die Entfernung der Gallenblase stellt für den Patienten kein Problem dar, es kann jedoch sein, dass besonders fettreiche Speisen nicht mehr so gut vertragen werden, da die Reservoir-Funktion der Gallenblase für die in der Leber produzierte Galle nach der Operation wegfällt.
Leberzysten
Leberzysten sind gutartige, in das Lebergewebe eingebettete oder ihm aufsitzende, Flüssigkeitsgefüllte Hohlräume.
Es gibt verschiedene Arten von Leberzysten. Einige wenige Patienten leiden seit ihrer Geburt an einer nahezu komplett zystisch umgebauten Leber (Zystenleber), häufig sind dann auch andere innere Organe zystisch verändert.
Neben dieser erblichen Form gibt es weitere Ursachen für Leberzysten.
Die weitaus meisten Leberzysten entstehen durch eine "Fehlentwicklung" bestimmter Gewebe noch im Mutterleib ("dysontogenetische Zysten"). Diese Zysten können einzeln oder gehäuft auftreten.
Eine in Deutschland eher seltene Ursache für Leberzysten ist der Befall mit bestimmten Parasiten, mit dem Anstieg von aus Südeuropa zugewanderten Patienten wird diese Erkrankung jedoch auch bei uns häufiger behandelt. Unter Parasiten versteht man meist den Hunde- oder Fuchsbandwurmbefall, deren Eier sich in den Zysten befinden.
Leberzysten verursachen meistens keine Beschwerden; häufig wird die Diagnose zufällig gestellt.
Erreichen sie eine gewisse Größe, können ziehende Schmerzen im rechten Oberbauch entstehen, die durch den Raumbedarf der Zyste zustande kommen.
Ereignisse wie eine Einblutung in die Zyste oder das Platzen der Zyste, führen zu plötzlichen heftigen Bauchschmerzen.
Kleine, nicht durch Parasiten bedingte und keine Beschwerden verursachende Leberzysten müssen nicht behandelt werden.
Nicht-parasitäre Zysten, die eine gewisse Größe überschreiten und Beschwerden verursachen, sollten operiert werden.
Parasitär bedingte Zysten sollten immer operiert werden.
Nicht-parasitäre Zysten können "entdacht" werden, parasitäre Zysten müssen meist aus der Leber "ausgeschnitten" werden. Manchmal ist sogar eine Entfernung von Teilen der Leber notwendig.
Wenn nur eine "Entdachung" geplant ist, kann die Operation in der Schlüssellochtechnik durchgeführt werden.

Leberzysten durch Hunde- und Fuchsbandwurm
Hundebandwurm
Der Hundebandwurm Echinococcus granulosus ist ein weltweit verbreiteter Parasit, die Erkrankungshäufigkeit schwankt regional erheblich, besonders häufig tritt die Erkrankung in europäischen Mittelmeerländern, im nahen Osten, Nord- und Ostafrika, Mittel- und Südamerika und Australien auf. Die Übertragung auf den Menschen oder anderen Tieren kann auf verschiedene Wegen stattfinden:
Durch Kontamination der Umwelt, z.B. bewirtschaftete Felder, angebautes Gemüse oder Wasser oder direktem Kontakt mit den Ausscheidungen des infizierten Hundes. In seltenen Fällen gibt es auch eine Übertragung durch Arthopoden (Gliederfüßer). Unter günstigen Umweltbedingungen können die vom Endwirt ausgeschiedenen infektiösen Eier über Monate hinweg ihre Ansteckungsfähigkeit behalten.
Die Zysten von E. granulosus sind Flüssigkeitsgefüllte Blasen mit einer oder mehreren Kammern (Hydatidenzysten). Die Hydatiden können einen Durchmesser von bis zu 30 cm erreichen.
Die Zyste besteht aus einer inneren Schicht, die teilweise infektiöse Parasitenanteile enthält. Eine Membran begrenzt die Zyste als äußere Schicht. Durch die Kompression des Lebergewebes entsteht um diese Membran herum eine bindegewebige Perizyste.
In der Anfangsphase verläuft die Infektion immer asymptomatisch, meist treten auch nach Jahren noch keine Symptome auf. Die Beschwerden richten sich nach der Lokalisation und der Größe der Zyste. Die Zysten wachsen im Mittel zwischen 1 und 5 Zentimeter pro Jahr.
Symptome entstehen erst durch Verdrängung, verminderten Blutfluss oder durch Komplikationen wie das Platzen der Zyste oder sekundäre bakterielle Infektionen.
Die Infektion erfolgt oft bereits im Kindesalter, Beschwerden treten in der Regel erst nach mehreren Jahren auf (Latenzzeiten von bis zu 50 Jahren sind in der Literatur beschrieben). Im Durchschnitt sind die Patienten bei Diagnosestellung 30-40 Jahre alt.
Bei Infektionen mit Echinococcus granulosus kommt es bei etwa 60% der Patienten zum Befall der Leber, in 20% zum Befall der Lunge.
Infektion der Leber sind häufig asymptomatisch und betreffen in 60-85% den rechten Leberlappen. Symptome treten üblicherweise erst ab einem Durchmesser von 10cm auf. Bei großen Zysten kann ein Druckschmerz im rechten Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Bei Kompression von Gefäßen oder Gallenwegen kann es zusätzlich zu Gelbsucht, Entzündung der Gallenwege und allergischen Reaktionen kommen.
Ist die Lunge befallen kommt es zu unterschiedlichen Symptomen, wie z.B. chronischem Husten, Brustschmerzen oder Atemnot.
Die Therapie der Wahl ist die vollständige chirurgische Resektion der Zyste, hiermit werden Heilungsraten von über 90% erreicht. Vor und nach der Operation ist eine medikamentöse Therapie mit Albendazol (Medikament gegen Würmer) notwendig.
Fuchsbandwurm
Der Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis tritt in Teilen Europas, Russlands, West-China, Nord-Afrika und bestimmten Gebieten in Nord-Amerika auf.
Echinococcus multilocularis ist der Dünndarmbandwurm des Rotfuchses (Endwirt), der auf Hund und Katze übertragbar ist, Nageltiere dienen als Zwischenwirte. Die Infektion wird entweder direkt oder indirekt über ausgeschiedene Wurmeier auf den Menschen übertragen. Der Mensch ist dabei ein Fehlwirt.
Die Häufigkeit von Infektionen mit Echinococcus multilocularis ist nicht genau bekannt, insgesamt jedoch wesentlich geringer als die Infektion mit E. granulosus.
Die Echinococcus multilocularis Zysten wachsen typischerweise langsam, es wird eine Inkubationszeit von 5-15 Jahren angenommen. Das durchschnittliche Alter der betroffenen Patienten ist 55 Jahre.
Echinococcus multilocularis kann beim Menschen schwerwiegende, oft sogar tödlich verlaufende Infektionen verursachen. Das befallene Gewebe verhält sich wie ein bösartiger Tumor, der in umgebendes Gewebe eindringt, es zerstört, dabei Organgrenzen nicht respektiert und Metastasen in anderen Organen absiedelt. Der primäre Herd ist beim Menschen in nahezu 100% in der Leber lokalisiert, der Befall anderer Organe erfolgt entweder direkt oder über den Blutweg.
Die Zysten bestehen aus zystischen und soliden Anteilen. Im Gegensatz zum Hundebandwurm geht von den Zysten ein infiltratives Wachstum in das umgebende Gewebe aus, was durch Druck zu Nekrosen führt.
Die Therapie der Wahl ist die vollständige chirurgische Resektion der Zyste, gefolgt von einer anschließenden Therapie mit dem Medikament Albendazol (Medikament gegen Würmer).
Die Ausschälung der Zyste aus ihrer Membran genügt dabei nicht, in diesen Fällen muß gesundes Lebergewebe als Sicherheitssaum mit entfernt werden.

Leberhämangiome (Blutschwamm)
Leberhämangiome sind die häufigsten gutartigen Lebertumore. Hämangiome treten meistens einzeln auf, bei bis zu 40% der Patienten finden sie sich beidseitig im rechten und linken Leberlappen. Die Größe von Hämangiomen kann zwischen wenige Millimetern und mehr als 20cm variieren. Die Mehrheit ist jedoch klein (<5cm).
Die geschätzte Häufigkeit von Hämangiomen der Leber liegt zwischen 0,4 % und 20 % der Bevölkerung. In 60-80% sind die Patienten zwischen 30. und 50. Jahre alt. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer.
Die Entstehung ist bis heute nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass es sich um Gefäß-Missbildungen oder um so genannte Harmatome (versprengtes embryonales Gewebe) handelt. Ein hormoneller Einfluss auf das Wachstum wird vermutet, da man eine Größenzunahme in der Schwangerschaft, sowie unter dem Einfluss von Östrogen und Gestagenen beobachten konnte.
Typischerweise handelt es sich bei der Diagnose Hämangiom um einen Zufallsbefund.
Läsionen > 5 cm verursachen dabei häufiger Beschwerden. Am häufigsten sind Bauchschmerzen und ein Druckgefühl im rechten Oberbauch.
Asymptomatische Patienten, insbesondere solche mit Läsionen <5cm, benötigen keine Therapie und werden beobachtet. Langzeit-Beobachtungen haben gezeigt, dass es in den meisten Fällen weder zu Wachstum noch zu Komplikationen kommt.
Andererseits finden sich vor allem bei Läsionen > 5 cm Verläufe mit schnellem Wachstum. Die Behandlung von symptomatischen Hämangiomen oder solchen mit einer Grösse >10 cm erfordert eine Entfernung, da insbesondere bei großen Hämangiomen die Gefahr der Ruptur („Platzen“) mit dann folgender schwerer Blutung besteht.
Verschiedene chirurgische Verfahren, wie die Enukleation („Herausschälen“), die Leberresektion oder sogar eine Lebertransplantation stehen zur Verfügung – am häufigsten durchgeführt wird die Leberresektion mit Erhaltung des umgebenden Lebergewebes.

Leberadenom
Hepatozelluläre Adenome sind gutartige Lebertumoren, die mit einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt, insbesondere des Östrogenhaushalts assoziiert sind. Seit der Einführung der Pille in den 60er Jahren kam es zu einem dramatischen Anstieg der Inzidenz von Leberzelladenomen bei jungen Frauen. Durch Veränderungen in der Dosierung und in der Zusammensetzung der Hormone der Pille ist die Inzidenz heutzutage wieder gesunken.
In 90% der Fälle sind die Patienten weiblich, das Durchschnittsalter liegt zwischen 15 und 45 Jahren. Es gibt auch familiäre Häufungen von Adenomerkrankungen, die dann nichts mit dem hormonsensiblen Adenom zu tun haben.
In 20-25% der Fälle treten Schmerzen im rechten Oberbauch auf. In 30-40% kommt es zur Ruptur („Platzen“) des Adenoms mit dann gefährlicher Blutung. Das Risiko für eine Transformation („Umwandlung“) der Zellen in bösartige Zellreihen des hepatozellulären Karzinoms wird mit etwa 1% beschrieben – ob diese Transformation tatsächlich stattfindet wird in letzter Zeit stark diskutiert. Die dauerhafte Einnahme oraler Kontrazeptiva oder anaboler Steroide erhöht das Risiko für die Entstehung von Leberzelladenomen.
Die Patienten können vollständig symptomfrei sein oder ein erhebliches Krankheitsgefühl mit Oberbauchschmerzen und Blässe aufzeigen. Oft ist die Abgrenzung zwischen einem gutartigen Leberzelladenom und dem bösartigen Leberzellkarzinom in den zur Verfügung stehenden Untersuchungen äußerst schwierig, so dass im Zweifel die Operation die Klärung bringen muss.
Aufgrund eines hohen Risikos für spontane lebensbedrohliche Blutungen und der möglichen malignen Transformation größerer Adenome ist die chirurgische Entfernung in diesen Fällen die Therapie der Wahl.
Bei kleineren Befunden kann die Einnahme von Kontrazeptiva oder Steroiden gestoppt werden und die Entwicklung im Verlauf zunächst abgewartet werden. Ergeben sich hier Zweifel an der Gutartigkeit besteht die Operationsindikation.

FNH (Fokal noduläre Hyperplasie)
Die fokal-noduläre Hyperplasie (FNH) ist der häufigste nicht-maligne Lebertumor, der nicht von den Gefäßen ausgeht. Die FNH betrifft vor allem Frauen (Verhältnis von 8 bis 9:1) im Alter zwischen 20 und 50 Jahren.
In 80-95% der Fälle handelt es sich um eine solitäre FNH meist mit einem Durchmesser von weniger als 5 cm (nur in etwa 3% der Fälle finden sich Veränderungen als 10 cm).
Die Läsionen sind scharf begrenzt, können gestielt sein und haben keine Kapsel.
Meist ist der Verlauf unkompliziert, die Läsionen verändern sich im Laufe der Zeit normalerweise nicht. Die Einnahme oraler Kontrazeptiva („Pille") oder eine Schwangerschaft kann zu einer Größenzunahme führen.
Patienten mit einer FNH sind mehrheitlich asymptomatisch. Zumeist ist die Diagnose ein Zufallsbefund. Im Unterschied zu Leberadenomen kommt es selten zu akuten Ereignissen wie beispielsweise Blutungen. Maligne Entartungen sind nicht beschrieben.
Das Vorgehen bei einer FNH ist im Regelfall konservativ. Nachuntersuchung nach 3 und 6 Monaten sind ausreichend um eine Größenzunahme und die Abgrenzung zu einem bösartigen Tumor zu beurteilen. Eine chirurgische Intervention sollte sich auf die seltenen Fälle großer und symptomatischer Läsionen beschränken.

Informationen zu den bösartigen Erkrankungen
Mehr Informationen zu den bösartigen Erkrankungen von Leber und Gallenwegen finden Sie auf den folgenden Seiten

Informationen zur operativen Therapie
Mehr Informationen zur operativen Therapie von Leber und Gallenwegserkrankungen finden Sie hier

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